Worauf ich Lust habe und was mir wichtig ist
Ich habe das ein oder andere Hobby, welches mir durchaus wichtig ist. Und zwar wichtig in dem Sinne, dass ich diese Hobbys irgendwie tun MUSS. Wenn ich diese Hobbys vernachlässige, fühlt es sich für mich so an, als würde ich einer Pflicht nicht nachkommen. Ich bin mir selbst nicht so ganz im Klaren darüber, warum ich so empfinde. Aber Ich vermute, dass der Grund dafür sein könnte, dass ich versuche, mein zukünftiges Selbst über meinen Fortschritt in diesen Hobbys zu finden.
Diese Grundhaltung führt jedoch zu einem permanenten Konflikt in meinem Alltag: Was tue ich konkret, wenn ich den Freiraum habe, zu entscheiden, was ich jetzt tun will. Tue ich einfach das, wonach mir der Sinn gerade steht oder tue ich etwas, was mir wichtig ist. Und wenig überraschend tendiere ich stark dazu, das zu tun, was mir wichtig ist. Was, so gesagt, auch erstmal gar nicht so schlimm klingt. Allerdings wähle ich häufig das, was mir wichtig ist, auch wenn ich so gar keine Lust darauf habe.
- Nach der Arbeit denke ich mir, was ich heute Abend noch alles tun könnte. Obwohl ich eigentlich total erschöpft bin.
- Am Wochenende denke ich mir, was ich alles tun könnte. Obwohl ich eigentlich den ganzen Tag Zeit habe und durchaus auch Zeit genug habe auch etwas mit Freunden zu planen.
- Verabredungen mit Freunden oder Besuche bei meiner Familie werden immer abgewogen mit dem, was ich stattdessen tun könnte.
Das könnte man nun einfach "Disziplin" nennen. Aber ich denke, das trifft es nicht ganz. Mein Verhalten hat auch irgendwie etwas krampfhaftes. Und ich denke nicht, dass man krampfhaft sein muss, um auch diszipliniert zu sein.
Was natürlich nicht heißt, dass ich nie Dinge tue, die mir Spaß machen. Aber die Entscheidung dazu muss ich mir immer ein bisschen abringen. Weil ich irgendwie der Überzeugung bin, dass, wenn mir etwas wichtig ist, ich doch eigentlich auch Lust darauf haben müsste. Und wenn ich keine List darauf habe, muss das heißen, dass ich noch nicht richtig verstanden habe, warum es mir eigentlich wichtig ist. Ich muss folglich nur mehr verstehen, warum es mir wichtig ist, und dann kommt die Lust ganz automatisch. So zumindest meine bisherige Überzeugung.
Aber ist das wirklich so? Bedeutet die Tatsache, dass mir etwas wichtig ist gleichzeitig auch, dass ich Lust darauf haben muss? So gefragt ist die Antwort doch ganz klar: Natürlich kann mir etwas wichtig sein, ohne dass ich im Moment Lust darauf habe. Und trotzdem scheint es nicht ganz so einfach zu sein.
Denn was ist denn nun das richtige Maß, auf meine Lust zu hören oder das zu tun, was mir wichtig ist?
Ich denke es ist klar, dass es dafür kein allgemeines Rezept gibt. Aber einen Teil der Antwort könnte darin liegen, mir die Frage danach, worauf ich Lust habe, ganz unabhängig von der Frage stellen zu können, was mir wichtig ist.
Wenn ich von der Arbeit komme, stelle ich mir nicht die Frage, welchem Hobby ich denn nun nachgehen könnte. Sondern stattdessen frage ich mich, worauf ich Lust habe. Ohne den Hintergedanken, dass es eigentlich etwas sein sollte, was mir auch wichtig ist.
Ich schiebe den Gedanken, dass ich eigentlich in meinen Hobbys weiter kommen will, für den Moment beiseite. In dem Vertrauen darauf, dass es mir zu einem späteren Zeitpunkt wieder leicht fallen wird, mich zu dem zu entscheiden, was mir eigentlich wichtig ist. Und dass es nach einem ganzen Tag Arbeit auch mehr als legitim ist, mich einfach mal treiben zu lassen.
Es ist nicht so, dass ich meine Hobbys vernachlässigen will. Aber ich brauche auch ein bisschen Zeit, in der ich mich nach nichts richten muss.